Kapitel 1: das Hamsterrad

In vielen Gesprächen, die ich derzeit führe wird meinen Ansichten Recht gegeben, dass wir uns in einer Art modernen Sklaverei befinden, was mich dazu bewogen hat zu versuchen meine Gedanken in Worte zu fassen und diese zu veröffentlichen. Mal sehen ob mir dies gelungen ist:

Von klein auf wird uns ein roter Faden vorgelebt, bestehend aus der nicht enden wollenden Suche nach Sicherheit und einem gefestigten sozialem Stand und langsam aber sicher folgen wir diesem von alleine ohne Fragen zu stellen und immer in dem Bewusstsein, dass wir frei sind und jederzeit irgendetwas an unserem Leben ändern könnten, nur halt jetzt grad im Moment nicht, da der Kredit abbezahlt werden muss, das Auto, das Haus usw. und am Ende ist man alt und die Rente zu klein.

Fast jeden Tag fahr ich mit der Bahn und während die Plakate an den Gleisen vorbeiziehen, auf denen im grammatikalisch perfekt artikuliertem Konjunktiv beschrieben wird, was man denn alles machen könnte, wenn man doch nur im Lotto gewinnen würde, steigen schlecht gelaunte Menschen ein und aus und meckern über das hier und jetzt. Nichts ist zufriedenstellend, niemand ist glücklich und auf die Frage, wie es einem geht reicht oftmals ein gequältes Lächeln und ein hervor gepresstes „Montag halt“ als Antwort.
5 Tage später etwas entspannter „Freitag halt“

Wenn man Glück hat bekommt man vom Gespräch die frohe Botschaft mit, dass wohl ein Urlaub ansteht. Wenn man Pech hat ist der Urlaub gerade vorbei und auf die immerzu gestellte Frage „Wie war dein Urlaub?“ folgt die sich immer wiederholende Antwort „zu kurz“ (quälendes Gelächter).

Mit dem Gehalt, dass unsere Arbeitsleistung honoriert kaufen wir uns Dinge, die unsere wenige Freizeit schöner gestalten und am Besten auch noch zeitgleich unser soziales Ansehen aufhübschen sollen. Dass wir uns diese Dinge meist nicht auf einen Schlag leisten können stört uns nicht. Man kann ja finanzieren und Kredite aufnehmen. Das bekommt der Nachbar dann auch nicht mit und man fährt schon bald mit einem neuen Auto vor.
Dass wir uns dabei in eine finanzielle und vor allem auch emotionale Abhängigkeit begeben ist uns egal – YOLO (You only live once) heißt der mittlerweile zum Glück verstaubte Slogan, der all die Dummheiten, die wir so im Laufe unseres Lebens machen vor uns selbst und den Freunden rechtfertigen soll.

Das Wochenende ist zum „eskalieren“ da. Was sonst soll man denn machen, um sich von seinem tristen Arbeitsleben abzulenken und sich selbst zu beweisen, dass man tatsächlich lebt?
Ja nicht so sein wie der arme Tropf, der einsam in seinem Zimmer sitzt und das mit Filtern manipulierte Party-Bild sieht, welches gerade in die sozialen Medien hochgeladen wurde.
Hashtag: Eskalation.

Angst ist allgegenwärtig – die Angst vor der Arbeitslosigkeit, die Angst vor der Altersarmut, die Angst vor der Bedeutungslosigkeit, die Angst vor fremden Kulturen, vor anderen Ansichten.
Die Angst davor, schwach zu wirken lässt uns Emotionen verdrängen, statt sie zu verarbeiten. Die Angst davor verlassen zu werden lässt uns zu gefühlskalten Arschlöchern werden frei nach dem Motto „bevor ich verletzt werde, verletze ich lieber jemand anderen“.

Angst lässt sich leicht kontrollieren, denn ängstliche Menschen lassen sich leicht unter Druck setzen. Man kann ihnen zur Not etwas wegnehmen, an das sie sich gewöhnt haben und das macht diesen Umstand in meinen Augen so ekelhaft traurig, denn sie verleitet den Menschen dazu noch mehr für seine vermeintliche Sicherheit zu bezahlen. Noch mehr auf Kosten seiner Freiheit und Freude zu investieren.

Man darf mich in einem Punkt nicht falsch verstehen. Es ist wichtig für den Menschen eine Aufgabe zu haben. Wochenlang daheim zu sitzen ist bei weitem anstrengender und auslaugender, als zur Arbeit zu gehen. Man sollte sich nur über den Stellenwert seiner Arbeit und vor allem auch über den materiellen Luxus Gedanken machen, den man sich da gönnt und diesen in Relation zum emotionalen Luxus stellen, welcher in der Regel auf der Strecke bleibt und der eher in der Ruhe und der Zeit zu finden ist, die man mit anderen teilt.

Ich selbst habe die letzten 12 Jahre in verschiedenen Büros verbracht, bis verschiedene Umstände mich zum Stolpern brachten und mich dazu zwangen, mich mit meiner derzeitigen Situation auseinanderzusetzen und etwas nachhaltig zu ändern. Wie genau das für die Zukunft auszusehen hat, weiß ich selbst noch nicht, aber ich muss sagen, dass ich mich selten so bestätigt gefühlt habe das irgendetwas katastrophal falsch läuft auf der Welt und somit ist das erste Mal in meinem Leben eine Idee entstanden. Für mich Grund genug, es auf einen Versuch ankommen zu lassen.
Hierzu wird es aber bald eine separate Geschichte geben.

Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Zeit
David

„Von dem Geld das wir nicht haben kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Menschen zu imponieren, die wir nicht mögen“
(Tyler Durden alias Brad Pitt in Fight Club)

Autor der Buchvorlage: Chuck Palahniuk

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