Kapitel 7 „Und was hast du die letzten Tage so gemacht?“

Wie ein Kurztrip in die USA zum vermutlich chaotischsten Ausflug meines Lebens wurde.

Cartagena – Kolumbien
05.04.2017 um 12:50 Uhr

Ich stand am Flughafen. Völlig verzweifelt. Der Schalter war vor 20 Minuten geschlossen worden und ich nicht an Bord der Maschine, die mich über Fort Lauderdale (Florida) nach Dallas (Texas) bringen sollte. Dort sollte ich am Flughafen eine alte Freundin treffen, die zwischenzeitlich in Neuseeland wohnt.
Ziel der Reise: der Überraschungs-Gast sein bei der Hochzeit einer sehr guten, gemeinsamen Freundin und zeitgleich früheren Stuttgarter Mitbewohnerin.
Soviel zur Theorie.

Alles wäre so simpel gewesen, aber ein Missverständnis bei der Bus-Auswahl führte dazu, dass ich am falschen Ende von Cartagena rausgelassen wurde und auch eine rasante Taxifahrt mich nicht davor bewahren konnte, vor einem verschlossenen Schalter zu stehen.
Diesen Flug hatte ich verpasst.
Eine Umbuchung war nicht möglich, da auch der folgende Flug ausgebucht war und mit allen anderen wäre ich zu spät gekommen.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich beruhigte, aber ein paar Zigaretten und viele Whats-App-Nachrichten später stand die Entscheidung mit einem Last-Minute-Angebot am folgenden Tag von Cartagena über Panama City nach Houston zu fliegen. Ich wollte auf diese Hochzeit. Ich hatte diese Menschen schon ewig nicht mehr gesehen und ich wollte unbedingt dort sein.

Ich verbrachte also eine Nacht in Cartagena, um am nächsten Tag wieder am Flughafen zu stehen und dieses Mal ging alles glatt.
Am Gate überkam mich noch einmal eine Panik, da ich mich fragte, ob dieses Mal alles klappen würde, denn diese Verbindung war noch komplizierter, als die vorhergehende.

Meine theoretischen Stopps waren Cartagena – Panama City – Houston Texas – Miami Florida

Anstatt bis nach Miami durchzufliegen verließ ich den Flughafen in Houston und fuhr mit einem Amerikaner, den ich bei der Migration kennengelernt hatte mit dem Bus nach Downtown, um von dort aus mit einem Greyhound-Bus die 4 ½ Stunden Fahrt nach Dallas anzutreten, die mich völlig erschöpft am frühen Morgen des 7.April im bereits gebuchten Hotel ankommen ließ.

24 Stunden zu spät, aber immerhin 1 Tag vor der Hochzeit.

Die Zeit in Dallas, die Hochzeit und auch die Überraschung der einzelnen Gäste entschädigten mich für alle Unannehmlichkeiten und so fuhr ich am Sonntag, den 9. April zum Flughafen Dallas, um dieses mal wie geplant über Fort Lauderdale (Florida) zurück nach Cartagena (Kolumbien) zu fliegen.
Alle anderen Gäste waren ebenfalls am Sonntag oder Montag aufgebrochen und somit war es von vorneherein nur als kurzer Ausflug geplant gewesen.
Außerdem war es die günstigste Verbindung.

Ich bin ein recht verpeilter Mensch, sollte ich an dieser Stelle vermutlich erwähnen (diese Info überrascht jetzt vermutlich einige meiner Freunde xD):

Fort Lauderdale (ca 40 Minuten von Miami entfernt) ist kein komplizierter Flughafen, wenn man mal drin ist.
Dass er aber 1 Stunde Zeitunterschied zu Dallas hat, daran hatte ich leider nicht gedacht.
Hinzukam, dass mir mitgeteilt wurde, dass sich mein Anschluss-Flug verspäten würde. Somit dachte ich beim Blick auf meine Uhr (ohne die 1 Stunde Zeitverschiebung zu bemerken), alles wäre entspannt.
Auf jeden Fall entspannt genug, um noch was essen zu gehen.
Dass dies ein Fehler war stellte ich fest, als ich im Anschluss ans Gate lief und dieses verschlossen und zum Abflug bereit vorfand.

Dieses Mal jedoch hatte ich Glück im Unglück und so konnte ich ohne Zusatzkosten meinen Flug umbuchen auf Dienstag, den 11. April 2017.
Gemeinsam mit einem netten Mädchen, das ebenfalls den Flug verpasst hatte und aus der Gegend war entschied ich mich nach Miami zu fahren und die 2 Extra Tage wenigstens zu genießen.
Was ich dann auch tat.
Nach 2 Tagen Miami stand ich wieder am Gate und konnte dieses Mal auch tatsächlich einsteigen und mitfliegen.


Endstation Cartagena, welches ich 5 Tage zuvor verlassen hatte.
Rechtzeitig, um mich abends noch von Chris zu verabschieden, einem der Inhaber von La Fuente, dem Bed & Breakfast, in welchem ich die meiste Zeit in Kolumbien verbracht hatte.
Dessen Zeit in Kolumbien ist nun vorerst vorbei.

Frage einer der Volunteere in Minca: „Und wo bist du die letzten Tage gewesen?“
Cartagena, Panama City, Houston TX, Dallas TX, West Palm Beach FL, Fort Lauderdale FL, Miami FL… kann man mal machen, auch wenn ich mir manchmal wünsche meine Reisen wären nicht immer ganz so ereignisreich.

Nun sitze ich also hier in meinem Hotel, in dem ich die kommenden 2 Wochen an einem Schild arbeiten werde und schreibe die Erlebnisse zusammen. Erschöpft aber irgendwie froh, dass alles gekommen ist wie es kam.
Froh bei der Hochzeit gewesen zu sein. Froh jede Hürde genommen zu haben. Froh über die seelische Unterstützung von zu Hause, als ich am Verzweifeln war. Froh Miami gesehen zu haben, aber auch froh wieder hier zu sein.
Und außerdem riesig froh in Miami noch einen kleinen Handgepäck-Trolli gekauft zu haben, in den endlich alle meine Zeichen-Sachen und Marker perfekt reinpassen, obwohl er winzig klein ist… Dass er natürlich das Blau einer Tardis hat, sei nur nebenbei erwähnt (Nerd-Alert xD).


Ich bin gespannt, was beim nächsten Mal passiert.

David

4 thoughts on “Kapitel 7 „Und was hast du die letzten Tage so gemacht?“”

  1. Aaaalater Schwede! Lol OMG David!!! Was tust du nur?! Tahaha
    Ich hatte ne leise Idee, vom Chaos deiner Anreise, aber wenn ich das so lese, dann war sie wirklich sehr sehr leise! Und dann der Rückweg WOW!
    Ich kenn das hilflose Gefühl, wenn man seinen Flug verpasst und dazu kein Bankkonto mit endlos Boden hat, ich leide so mit dir!
    Aber bin froh zu hören, dass du dem ganzen auch was positives a gewinnen konntest!

    Danke für das Mega Geile Unbezahlbare Hochzeitsgeschenk!

  2. Hi David,
    da wird doch eine Aussage mal wieder bestätigt: „Wer eine Reise unternimmt, hat etwas zu erzählen“ 😉
    Kap. 7 liest sich echt super. Hirnkino wird voll eingeschaltet. Wer weiß in wie weit diese Reisebericht die Grundlage eines guten Buches sind 😀

    Freut mich das es Dir gut geht. Hast du viel von El Nino und den Überflutungen mitbekommen?

    Ich wünsche Dir schöne Ostern und freue mich wieder von dir zu lesen 😉

    1. Hey Marc,
      Danke für die lieben Worte. Ich selbst hab von den Stürmen und Überflutungen zum Glück selbst nichts mitbekommen, da ich am andern Ende des Landes bin.
      Aber die Berichte kamen natürlich auch bei uns an.

      🙂 für ein Buch muss ich aber noch bißchen unterwegs sein und auch generell mehr über die Reisen selbst schreiben. Aber jetzt ist schon mal ein guter Anfang getan 😉

      Liebe Grüße
      David

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